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Von einer Groß-ABM zur nachnutzerorientierten Sanierung
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Auftrag und Arbeitsansatz der LMBV Das nach der Wende mit dem Einigungsvertrag 1990 auf den
Weg gebrachte Großprojekt der Sanierung und Renaturierung
der bereits stillgelegten und aus wirtschaftlichen Gründen
weiter stillzulegenden Tagebaue wurde von Anbeginn in Zusammenarbeit
mit der Bevölkerung angegangen. Wir mussten lernen,
auf die Akteure zuzugehen. Im Braunkohleausschuss des
Landes Brandenburg, der die Sanierungsarbeiten für das
Lausitzer Kohlerevier koordiniert, wurden die Interessen gebündelt
und Kontroversen ausgefochten, um einen von der
Region mitgetragenen Konsens für die Sanierungsplanung
zu erreichen. Arbeitsinstrumente hierfür waren und sind
die Arbeitskreise, die das Land Brandenburg für die zu
sanierenden Tagebaue unter der Federführung der für
die Braunkohlesanierung auf landespolitischer Ebene zuständigen
Raumplaner einrichtete. Wie für andere Bergbaufolgelandschaften
wurde auch für die Schlabendorfer Felder ein solcher
Arbeitskreis gegründet, in dem die verschiedensten Akteure
der Region Landkreise, Bürgermeister, Vereine,
Landwirte, Naturschützer etc. sich über die
Sanierungsvorhaben informieren und ihre Interessen einbringen
konnten und noch heute können. Dieser Konsens spiegelt
sich in der nachnutzungsorientierten Sanierung
wieder, deren grobe flächenmäßige Ausrichtung
erstmals in den Sanierungsplänen für Schlabendorf
Nord und Schlabendorf Süd festgehalten wurde. |
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Sanierungsplanung
Insbesondere folgende Sachverhalte, Ziele und Maßnahmen galt es in den Plänen darzustellen:
Die Sanierungspläne formulieren die Vorgaben für
die detaillierteren bergrechtlichen Betriebspläne, auf
deren Grundlage die LMBV die Bergbaufolgelandschaft sukzessive
gestaltet, bis ein Abschlussbetriebsplan die Entlassung der
Landschaft aus dem Bergrecht und ihre Überführung
in die Verantwortung der Nachnutzer und Alt- wie Neueigentümer
ermöglicht. |
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Da sich die geologischen und hydrologischen Verhältnisse in der Bergbaufolgelandschaft beständig verändern, unterliegt die gesamte Landschaft einem Monitoring, um Gefahrenpotentiale zu erkennen und die Planung anzupassen. So stellen sich die verkippten Bereiche nach einigen Jahren anders dar, als ursprünglich vermessen. Die Fläche hat sich in Gänze und zusätzlich punktuell gesetzt. Dadurch entsteht auch weniger Wald, als ursprünglich angenommen und 2000 ha mussten neu aufgemessen werden. Es soll verhindert werden, dass die Kippenböden unkontrolliert sacken bzw. die setzungsfließgefährdeten Böschungen an den Restlöchern rutschen. Ebenso entzieht sich die Dynamik des wieder einströmenden Grundwassers einer völligen Kontrolle. Daher werden die Betriebspläne öfter überarbeitet und weitere Sanierungsmaßnahmen wie Rütteldruckverdichtungen oder Sprengverdichtungen durchgeführt. Wir müssen die Flächen sicher machen, sonst kriegen wir sie nicht aus dem Bergrecht heraus. Kaiser räumt einerseits ein, dass die Sanierung mit vielen Ungewissheiten verbunden ist. Wir machen das ja auch zum ersten Mal und man kann nicht mit Sicherheit sagen, was in Jahrzehnten passiert. Andererseits ist er sich sicher, dass er und seine Leute solide gearbeitet haben. Bisher hat jeder Damm gehalten, den wir gerüttelt haben. Ist die Sanierung abgeschlossen, findet mit den zuständigen Behörden eine Befahrung statt, die protokolliert wird. Anschließend wird die Fläche aus dem Sanierungsbestand der LMBV entlassen. Ein dauerhaftes Problem sieht Kaiser in der Wasserqualität.
Zwar ließe sich durch bestimmte Technologien, etwa den
Einbau von reaktiven Aschewänden, eine Verbesserung der
Wasserqualität erreichen, diese sei aber nicht dauerhaft
und somit bestünde eigentlich ein permanentes Wartungsproblem.
Der Senftenberger See wäre ohne permanente Maßnahmen
bereits gekippt. Die Badetauglichkeit der sauren Seen sieht
Kaiser dagegen im Normalfall nicht gefährdet. |
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Orientierung auf die NachnutzerDie LMBV ist seit 1991 für die Sanierung der Schlabendorfer Felder zuständig. Der Übergang von der Förderung der Kohle durch die LAUBAG zur Sanierung durch die LMBV wurde fließend gestaltet. Ein groß angelegtes ABM-Projekt sicherte für viele Tagebaumitarbeiter einen reibungsarmen Wechsel der Betriebszugehörigkeit und bot der LMBV Zeit, sich als Sanierungsträger zu organisieren. Nur kurzzeitig gab es in der Region zu Beginn der 90er Jahre Proteste gegen den Tagebau als Landschaftszerstörer, berichtet Kaiser. Die verebbten aber schnell wieder und das Leben mit dem Tagebau bzw. mit der Sanierung wurde wieder zur Routine. Auch weil die Tagebausanierung, wie zuvor der aktive Tagebau, vielen Menschen in der Region ein Auskommen bot. Kaisers Anspruch ist es, im Rahmen der Sanierung mit den
Ressourcen der LMBV und unter Beachtung des Bergrechtes die
infrastrukturellen Strukturen der Region bezogen auf die artikulierten
Nutzungsvorstellungen der Akteure zu befördern. Landnutzer,
Landkäufer und Landeigentümer könnten mit der
LMBV ihre Perspektiven abstimmen und die Sanierung zielorientiert
durchführen. Kosten für solche Maßnahmen wie
Straßenbau, Ufergestaltungen etc. würden den Nachnutzern
nicht entstehen. Einzige Bedingung ist, dass die Unterhaltungskosten
für die geschaffene Struktur durch den zukünftigen
Nutzer/ Eigentümer übernommen werden. Oft werden
angedachte Infrastrukturmaßnahmen nicht umgesetzt, weil
diese Frage der Folgekosten nicht geklärt ist. "Unsere
Sanierung ist nutzungsorientiert, d.h. der Mitteleinsatz ist
mit den zukünftigen Nutzern korreliert. Das betrifft
auch die Infrastrukturelemente, die wir einfügen: Man
braucht für alles einen Baulastträger." |
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Fachlich, so Kaiser, könnte seine Abteilung auch die für eine Umsetzung der ausgehandelten Sanierungsziele notwendigen Flächennutzungspläne und Bebauungspläne für die Gemeinden erstellen. Dann wäre alles effektiver zu gestalten. Aber solch eine, für die nutzerorientierte Sanierung der Tagebaurestflächen wohl sinnvolle Bündelung des Potentials wird mit der LMBV nicht angestrebt. Herr Kaiser ist mit den Akteuren auf den Schlabendorfer Feldern sehr vertraut. Mit vielen Mitgliedern des Arbeitskreises Schlabendorf-Seese teilt er eine gemeinsame an den Tagebau und seine Sanierung gebundene Berufserfahrung, aber auch Grundzüge der Alltagswelt. Sein auf dieser Grundlage erworbenes Wissen über die Schlabendorfer Felder kann er gerade auch dort gut einsetzen, wo es seiner Meinung nach um persönliche Mitnahmeeffekte geht; also dort wo zum Beispiel Schäden an Häusern auf die Sanierungstätigkeit der LMBV geschoben werden. Die Sanierung des Tagebaues Schlabendorf-Nord gilt für
ihn als ein Musterbeispiel erfolgreicher Arbeit. Niemand
würde auf den ersten Blick annehmen, dass er sich in
einer Tagebaufolgelandschaft befindet, wenn man ihn durch
Schlabendorf-Nord führt. Das Set an Nutzungen ist
hier für ihn gut ausgebildet. Naturschutz, Tourismus,
Landwirtschaft ergänzen sich. |
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Naturschutz in der BFL aus der Sicht der LMBV Konfliktpotential entsteht für Kaiser dort, wo eine
Nutzungsform die Entwicklung der gesamten Region zu gefährden
droht. So könnten seines Erachtens am Schlabendorfer
See die aus der Sicht Kaisers berechtigten Nutzungsansprüche
der Gemeinde Schlabendorf fast unmöglich werden, wenn
eine Befahrung des Gewässers in seiner ganzen Länge
nicht möglich wäre. |
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Ein anderes Beispiel: die LMBV sanierte Teile der Böschungen des Schlabendorfer Sees bewusst und in Abstimmung mit dem Naturpark nicht komplett, um potentiellen Besuchern einen Eindruck von der einzigartigen Dynamik einer Tagebaulandschaft geben zu können. Hier wurde quasi ein Tagebaumonument (knapp 30 ha) aus naturschutzfachlichen und touristischen Erwägungen erhalten. Des Weiteren erfolgte die Sanierung des Schlabendorfer Sees so, dass aus bergrechtlicher Sicht unproblematisch ein Wanderweg in Ufernähe gebaut werden kann. Bleibt nun eine entsprechende Erschließung aus, würde hier ein Potential für die Entwicklung der Region verschenkt. Weiteren Flächenankäufen durch die Sielmann-Stiftung steht Herr Kaiser daher distanziert gegenüber. Um diese Auseinandersetzung zu verstehen, ist auch ein Blick in die Sanierungsgeschichte der Schlabendorfer Felder sinnvoll: Ursprünglich sah die Sanierungsplanung eine deutliche Aufteilung der Schlabendorfer Felder nach Nutzungsarten vor: Nord sollte überwiegend für den Naturschutz reserviert werden, Süd dagegen für die Wald- und Erholungsnutzung vorbereitet werden. (So wollte z.B. der Motorsportclub Fürstlich Drehna eine Motorbootrennstrecke einrichten.) Durch das Engagement der Sielmannstiftung seien diese Schwerpunkte aber gekippt. An anderer Stelle hat die Naturschutznutzung dagegen ein Zusammengehen mit der LMBV ermöglicht, das mit anderen Nutzern nicht möglich gewesen wäre: die in der Region umstrittenen Sprengverdichtungen in der Tornower Niederung sind billiger und schneller als Rüttelverdichtungen. Die dadurch entstehenden Flächen sind jedoch für Nutzungen, die über einen Prozessschutz hinausgehen, auf lange Sicht nicht mehr brauchbar.
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Ausblick Alle Fotos: LMBVKontakt: www.lmbv.de |