Bergbaulandschaften werden nach ihrer Nutzungsaufgabe nicht
nur von Menschen, sondern auch von Tieren besiedelt. Dabei
sind bestimmte Arten wegen der hier herrschenden extremen
Lebensbedingungen (Erosion, Hitze, z.T. Trockenheit, besondere
Bodenverhältnisse) schneller auf dem Vormarsch als andere.
Mit den genetischen Untersuchungen soll geklärt werden,
wie verschiedene Insektenarten die Bergbaufolgelandschaft
besiedeln und welche Rolle die Umgebung und die enorme Flächenausdehnung
der Bergbaufolgelandschaft spielt.
In der ersten Projektphase ("Genetische Diversität
ausgewählter Arten der Phyto-, Phytophagen- und Zoophagen-Zönose
in sukzessionalen Roteichen-Ökosystemen") wurde
hierzu eine Laufkäferart, der Kahnkäfer (Calathus
erratus) untersucht. Er ist eine Pionierart, die offene, schütter
bewachsene Lebensräume bevorzugt. Als Untersuchungsstandorte
dienten Bergbaufolgeflächen verschiedenen Alters in unterschiedlichen
Entfernungen zueinander. Als Vergleichsflächen dienten
auch ehemalige Truppenübungsplätze mit unverritztem
Boden.
Diese Käfer sind meistens ungeflügelt, deshalb wurde
angenommen, dass sie nur durch Fortbewegung "zu Fuß"
die Bergbaufolgelandschaft besiedeln können und folglich
nur aus dem Umland der Bergbaufolgeflächen einwandern.
Nach den genetischen Untersuchungen mittels AFLP (Amplified
Length Polymorphism), konnte aber nachgewiesen werden, dass
die Käfer selbst größere Entfernungen in kurzer
Zeit überwinden können. Dies wird auch durch das
Auftreten geflügelter Individuen unterstützt. Diese
Strategie kam der Art also bei der schnellen Besiedlung der
großflächigen Bergbaufolgelandschaft zu Gute. |
In der zweiten Projektphase ("Der Beitrag von anthropogenen
Habitaten zur Erhaltung der genetischen Vielfalt von wildlebenden
Tier-und Pflanzenpopulationen am Beispiel der Bergbaufolgelandschaft")
wird nun der Sandohrwurm (Labidura riparia) mittles genetischer
Methoden untersucht. Diese Art tritt ursprünglich nur
im Bereich der Küsten auf, wird aber seit geraumer Zeit
auch auf offenen Sandflächen der Bergbaufolgelandschaft
z.B. auch in der Niederlausitz beobachtet. Somit stellt sich
die Frage, woher und auf welche Weise diese Tiere in die Bergbaufolgelandschaft
gekommen sind. Für die genetischen Untersuchungen werden
Mikrosatelliten eingesetzt. |