Landschaftswerkstatt
 

Blick auf das Schloss Fürstlich Drehna aus dem Landschaftspark, Sommer 1994

 

Gründung des Parkaktivs 1983 in Fürstlich Drehna


Der Kultur- und Heimatverein Fürstlich Drehna

Gespräch mit Wilfried Pilz Geschäftsführer des Kultur- und Heimatvereins
am 29. September 2004


Ausgangspunkt und Anlass: Der Schlosspark
Die Vereinsgeschichte nimmt ihren Ausgang bei einer Person: Ardo Brückner ist Vereinsvorsitzender und Mitbegründer, von ihm gingen wesentliche Initiativen für die Erhaltung des Schlossparks aus, und auch die Erfolge des Vereins sind eng mit ihm verbunden. Brückner ist quasi im Drehnaer Landschaftspark aufgewachsen, weil sein Vater auf dem angrenzenden Gelände des Parks eine Gärtnerei betrieb. Berufsbedingt verließ er den Ort, kam aber in den achtziger Jahren, ebenfalls berufsbedingt, zurück. Im Ort gab es einen Schneidermeister, Albert Pösch, der sich beständig (und teilweise belächelt) um den Park kümmerte. An dessen Aktivitäten schloss Brückner an und gründete ein "Parkaktiv".
Dabei ist zu bedenken, dass der ehemals standesherrschaftliche Besitz mit dem Schloss und dem Park für die Identität und Perspektive Fürstlich Drehnas eine entscheidende Rolle spielt. An diesem Park wurde in den letzten Jahren stellvertretend verhandelt und ausgekämpft, welches Leitbild der Ort als stark von der Braunkohleförderung beeinträchtigter Siedlung verfolgen solle. Insofern spiegelt sich in der Parkgeschichte auch exemplarisch die Identität einer Niederlausitzer Ortschaft in der Tagebauregion wider.
Für die mangelnde Pflege und Erhaltungsmaßnahmen im Park unter DDR-Bedingungen vor dem Wirken des Parkaktivs waren verschiedene Gründe verantwortlich. Einerseits gab es keinen kulturellen Kontext für dessen adäquate Nutzung mehr, das Schloss selbst wurde auf verschiedene Weise, am Ende bis 1986 als Jugendwerkhof genutzt, dadurch war der "Kern" der Anlage vom Park abgetrennt. Außerdem war der politische Kontext anders, weshalb andere Nutzungen eindringen konnten - dies betraf unter anderem die erste Motorveranstaltung in Drehna nach dem Krieg, die im Rahmen eines Volksfestes im Park ausgetragen wurde. Zudem kam es im Späteren durch eine nicht mehr klar ersichtliche Perspektive einer Art Park-Fledderei: aus dem Park wurden Brennholz, Weihnachtsbäume und Gartenpflanzen entnommen, nach und nach wurden die Wege mit Autos befahren etc. Dieser Abwärtstrend wurde durch die Braunkohleförderung massiv beschleunigt, der die Hälfte der Parkfläche zum Opfer fiel, insbesondere der für das Gesamtbild wichtige Ziegelteich.

   

Gründung des Kultur- und Heimatvereins Fürstlich Drehna, hervorgegangen aus dem Parkaktiv, 1993

 

 

Unter diesen Bedingungen gründete sich in den achtziger Jahren das so genannte Parkaktiv, das sich für den Erhalt der Reste des Parks einsetzte und dafür Verbündete in der politischen Ebene sowie bei der LAUBAG suchte: beim Rat des Kreises, Abt. Kultur, bei einigen Funktionären der Braunkohleindustrie usw. fand man Akzeptanz. Fachliche Unterstützung gewährte der Cottbuser Landschaftsplaner und -architekt Helmut Rippl, der sich insbesondere um die Gestaltung der Rückgabeflächen des Bergbaues für den Park kümmerte und damit wieder eine Komplettierung der Gesamtanlage sowie der den schroffen Gegensatzes zur Bergbaufolgelandschaft abbaute. Die achtköpfige Gruppe widmete sich zunächst der Sicherung der Anlage: es wurden ein Zaun gezogen, Wege instand gesetzt, Paktbänke erneuert. Von außerordentlicher Wichtigkeit war die Wiederherstellung des erforderlichen Wasserhaushalts für die Baumbestände, wegen des abgesenkten Grundwassers mobilisierte das Aktiv große Energien für die Installation und den Betrieb einer Beregnungsanlage, damit die Bäume nicht eingingen. Diese Bemühungen waren von Erfolg gekrönt - im Gegensatz etwa zum Schlabendorfer und Zinnitzer Park, dessen Bäume größtenteils durch die Grundwasserabsenkungen abstarben.

Sozialer Hintergrund
Für das sozialpsychologische Verständnis des Erfolgs der Gruppe bereits unter DDR-Bedingungen ist von großer Wichtigkeit, dass die wichtigen Akteure selbst in der Kohle arbeiteten: Brückner war dort im Rationalisierungsbau tätig, Frank-Wilhelm Binde, erster Bürgermeister nach der Wende, als Schlosser für Schienenfahrzeuge und Wilfried Pilz (dessen Frau aus Fürstlich Drehna stammt) war Bauleiter im Tagebau. Durch dieses Involviertsein nahm die Auseinandersetzung um das Schicksal des Landschaftsparks nie Züge einer Systemauseinandersetzung an. Dieselben Akteure, die sich hier um die Erhaltung des Schlossparks kümmerten, verantworteten an anderer Stelle starke Eingriffe in die Landschaft. Pilz resümiert, dass den von ihm geplanten Oberleitungen wertvolle Waldbestände mit schönen alten Eichen zum Opfer gefallen sind. Das sei im guten Glauben geschehen, dass es für die Region nötig sei - heute tue ihm manches leid, es sei aber damals schwer denkbar gewesen, es anders zu machen. Außerdem habe man sich auch für die Gestaltung der Landschaft nach dem Bergbau eingesetzt. "Wir sind immer davon ausgegangen, dass wir hier wohnen bleiben und dass die Gegend auch nach dem Kohleabbau bewohnbar sein muss."

Die Verschränkung von Engagement und Beruf im Freundeskreis des Parkaktivs war von verstärkter Bedeutung, als der Jugendwerkhof 1987 aus der Anlage auszog und kein Träger mehr vorhanden war - die Immobilie befand sich in Gemeindeeigentum und es war nun - erst Recht in den bevorstehenden Wendejahren - Ziel der Gruppe, die Vorstellungen von der weitere Entwicklung der Anlage (Investitionen, Nachnutzung, Verkauf) in der Kommune durchzusetzen.

 

Arbeitseinsätze im historischen und im neu angelegten Teil des Landschaftsparks

   

Die ersten Nachwendejahre als Aufbauzeit
Zunächst gründete man einen Verein, um die eingeworbenen Fördergelder verwalten zu können. Für den Schlossteich suchte und fand man einen neuen Standort - die Wiederherstellung eines solchen Teichs in der Größe von 3,6 ha gilt heute als eines der Highlights der Sanierungstätigkeit der LMBV. Große Bemühungen stellten die Vereinsmitglieder bei der Suche nach einem geeigneten Eigentümer an, um der um sich greifenden "Goldgräberstimmung" entgegen zu wirken - nunmehr ist die Anlage im Besitz der Brandenburgischen Schlösser GmbH. "Wichtig war uns immer: die Anlage - Schloss, Park und Brauerei - soll zusammen bleiben, es sollen sich nicht einzelne Leute Filetstückchen herauspicken."

Zeitgleich wurde saniert und erweitert. 12 ha der heutigen Parkfläche sind Bergbaufolgeland - neu bepflanzt und an das Wegenetz angeschlossen. Einige Wünsche blieben offen, so z.B. die Errichtung einer Parkbrücke zur Komplettierung eines Rundweges, die innerhalb des Sanierungsvorhabens finanziert und gebaut werden sollte.

Im Ort dominiert eine konservative Sicht auf den Park. "Die alten sagen, früher war es schöner hier." Menschen von außerhalb dagegen sind in der Lage, den besonderen Reiz wahrzunehmen, der sich aus dem Kontrast zur Bergbaufolgelandschaft ergibt. Der Verein führt Parkführungen durch und weist an vielen Orten auf die Geschichte des Parks hin. Die ehemalige Abbaukante wird dabei immer besonders gewürdigt.

 

Der gusseiserne historische Pavillon stammt aus einem anderen Park und wurde vom Verein saniert und in Fürstlich Drehna aufgestellt. Von ihm aus hat man einen Blick auf den neu angelegten Teich, auf die alten Teile des Parks auf gewachsenem Land und das Schloss sowie den hier im Hintergrund sichtbaren neuen Teil des Landschaftsparks in der Bergbaufolgelandschaft.

 

Die alte Mühle bei Fürstlich Drehna wurde mit Hilfe der LMBV an diesem Ort in der Bergbaufolgefläche wieder aufgebaut. Nicht weit von hier hat der Motorclub seine Flächen eingerichtet.

Außerdem akquirierte der Verein aus einer anderen Anlage einen historischen gusseisernen Pavillon und restaurierte ihn als Attraktion im Schlosspark. Eine alte Mühle, die von ihrem Eigentümer in der Nähe abgebaut wurde, kaufte und restaurierte der Verein ebenfalls in Fürstlich Drehna, jedoch nicht im Parkgelände, sondern auf einer Bergbaufolgefläche. Ursprünglich war eine Errichtung auf dem historischen Mühlenberg geplant, auf dem auch der Motocrossverein seine Strecke hat. Da die LMBV aber die Gelder bereitstellte, beharrte sie darauf, die Mühle müsse auf einer Kippenfläche stehen. Dort hat die Gemeinde ein Stück Land erworben (Rodelberg, Aussichtspunkt, Mühlplatz) ursprünglich sollte es mehr sein, Luckau hatte aber zu wenig Geld. Auch die Initiativen um Schaffung einer Stätte der Erinnerung an das historische Baudenkmal "Wüste Kirche" in der Bergbaufolgelandschaft geht auf den Verein zurück.

Die Polarisierung in den Neunziger Jahren
Eine herausragende Rolle bei den Aktivitäten am beginn der Neunziger Jahre spielte ein Berliner Planungsbüro namens Plan B. Herr Pilz schildert dessen Einfluss als außerordentlich hoch. Die Planer hätten die Akteure des Vereins auf die historische Bausubstanz und Struktur des Ortes aufmerksam gemacht und ihnen dringend empfohlen, mit diesem Potenzial zu arbeiten. "Die haben uns erst mal klargemacht, welch gute Situation wir hier haben, die verkehrsgünstige Lage an der Autobahn, unweit Berlins und Dresdens, das ganze Dorfensemble, das Schloss, der Park." Der Park sollte dementsprechend als Ausflugsziel entwickelt werden. Schon 1991 bekam man den Beinamen "Fürstlich" zurück, der Anfang schien viel versprechend. Zugleich initiierte die Planungsgesellschaft, die mit 13 Einzelverträgen an die Gemeinde gebunden war, einen übergreifenden Planungsverband "Lausitzer Grenzwall", in den die anderen Dörfer einbezogen waren - damals träumte man noch von einem Amt, dass sich aus den Anliegern der BFL zusammensetze. Eine entsprechende Studie über die Ausgangslage hatte die Planungsgesellschaft noch angefertigt. Dass die Entwicklung schließlich nicht ganz so voranging, wie man sich zunächst erhofft hatte, lag an Konflikten innerhalb des Dorfes wie auch an einer Stagnation in der Planung mit den anderen Gemeinden.

Die Konflikte, die sich in den 90er Jahren im Spannungsfeld der ehrgeizigen Pläne des Vereins entwickelten, waren Kräfte zehrend. Pilz schätzt heute ein, dass er und seine Mitstreiter es damals wahrscheinlich auch etwas übertrieben hätten, etwa, wenn es um den Umgang mit der historischen Bausubstanz, um Fenstermaße, Dächer und Fassadengestaltung ging. Auch der praktizierte Motocrosssport direkt am Ort erschien den historisch inspirierten Akteuren als Gefährdung des einmal als wertvoll erkannten Potenzials und es wurde nach Alternativen gesucht. Dadurch polarisierte sich der Ort, was sich auch in lokalpolitischen Auseinandersetzungen niederschlug. Seither haben sich viele Konflikte entschärft. Die Berliner Planungsgesellschaft ist nicht mehr im Boot, aus der Arbeit in Fürstlich Drehna musste sie aussteigen, weil die Brandenburgische Schlösser GmbH beim Kauf des Schlossensembles darauf beharrte "sich ihre Partner selbst auszusuchen". Mit dem Motocross hat man sich auf zwei größere Veranstaltungen im Jahr geeinigt, die auf dem traditionellen Mühlenberg stattfinden dürfen. Viele Konflikte haben ihren unversöhnlichen Charakter verloren.

   

Die Zeiten der Sanierung dauern noch an, die Zukunft des Ortes Fürstlich Drehna als historischer Flecken in einer neuen Landschaft hat trotzdem schon begonnen: Wegweiser nach Fürstlich Drehna und Warnschild der LMBV.

 

 

 

Der Verein sieht indes noch viel Arbeit vor sich, wenn auch mehr im Umfeldbereich, da die Hauptverantwortung für den Kern seines Engagements - den Schlosspark - an den neuen Eigentümer übergegangen ist. Er hat 32 Mitglieder, von denen aber nur wenige aktiv für die Vereinsziele arbeiteten. Mit dem Eigentümerwechsel habe sich die Einstellung geändert, so Pilz.

Perspektive auf die Zukunftschancen des Ortes
Wilfried Pilz schätzt ein, dass der Naturpark Niederlausitzer Landrücken ein günstiges Umfeld für Fürstlich Drehna bildet. Die Akzeptanz für die Institution steige, insbesondere in Fürstlich Drehna erkenne man den Wert der Einrichtung an, da diese ihre Verwaltung dort angesiedelt habe und die prestigeträchtige Sielmannstiftung ins Boot geholt habe. Spürbar sei z.B. ein zunehmender Radtourismus. Pilz beobachtet, dass das Interesse für die Natur mit der finanziellen Ausstattung der Menschen steige. Ob Fürstlich Drehna von diesem Zusammenhang profitieren könne, lässt er offen.

 

Kontakt:
Kultur- und Heimtverein Fürstlich Drehna e.V.
Frank-Wilhelm Binde
Crinitzer Strasse 2
03246 Fürstlich Drehna

Telefon: +49(0)3 53 24 - 70 30
Telefax: +49(0)3 53 24 - 7 03 70

 

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