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Kommt man nach Fürstlich Drehna, empfängt
einen zunächst der Motorsport. |
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Die Piste am Mühlenberg |
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Die Kippe als Piste.
Ein Gespräch mit Torsten Wolff,
Inhaber einer Autowerkstatt in Fürstlich Drehna und zweiter
Vorsitzender des Vereins MC Fürstlich Drehna (15. 09.
2004)
Der Verein und die Familie Wolff
Der MSC geht auf eine Motorsporttradition im Ort zurück,
die in den fünfziger Jahren von Wolffs Großvater
Ernst Wolff sen. begründet wurde. Damals war der Motorsport
sehr attraktiv und zog ein breites Publikum. Es wurden sogar
Rennen im Schlosspark Fürstlich Drehna veranstaltet.
Bald wurde jedoch am Dorfrand eine Rennstrecke errichtet,
die auch heute noch in Betrieb ist (auf gewachsenem Land)
und das Erscheinungsbild von Fürstlich Drehna maßgeblich
prägt, da sie am Mühlberg liegt und der Blick auf
das dahinter liegende Dorf von der Straße aus verstellt
wird. Hier finden bis heute jährliche Rennen statt.
Die Aktivitäten der Motorsportler verdichteten sich
derart, dass 1973 der Motorsportclub Fürstlich Drehna
gegründet wurde. Er hat heute 35 Mitglieder, davon fünfzehn
aktive Fahrer, die zum Teil aus dem Ort und der Umgegend kommen
(Crinitz, Klein Meßow, Übigau) zum Teil aber auch
aus der ganzen Niederlausitz stammen (Finsterwalde, Doberlugk-Kirchhain,
Kolkwitz, Cottbus).
Ein großer Teil der Aktivitäten des Sportklubs
ist mit der Familie Wolff verbunden. Wolffs Vater, Ernst Wolff
jun., auch zu DDR-Zeiten selbständiger Fuhrunternehmer,
setzte die Aktivitäten seines Vaters bereits in den Siebzigern
fort und wurde 13mal DDR-Meister. Auch Torsten Wolff ist vielfacher
DDR-Meister. Die Hunderten Pokale im Büro sind alle von
ihm persönlich errungen. Auf die Frage, ob dieser Sport
verletzungsintensiv sei, antwortet Wolff: "Das kann man
sagen! Letztes Jahr saß ich drei Monate Rollstuhl."
Gegenwärtig habe er sich entschieden, das aktive Rennen
zu beenden. Wolffs Sohn Toni, geb. 1986, ist auch bereits
in den Sport eingestiegen.
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Die Autowerkstatt Wolff in Fürstlich Drehna. |
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Eine Weltmeisterschaft in Fürstlich Drehna
Ab 1990/91 ging der MSC dazu über, deutsche Meisterschaften
und internationale Rennen auszurichten. Für das Jahr
2000 bewarb man sich um die Ausrichtung einer Weltmeisterschaft.
"Es hat eigentlich keiner damit gerechnet, aber plötzlich
hatten wir sie." Daraufhin gingen beim MC alle Uhren
anders. Ein ganzes Jahr investierten die Mitglieder des Clubs
in die Vorbereitung der WM, Sponsoren aus der ganzen Niederlausitz
wurden geworben. Um die WM zu einem familientauglichen Ereignis
zu machen, wurde ein Volksfest mit einem Schaustellerpark
(samt Riesenrad) herangeholt. Für den Schaustellerpark
mussten allerdings erst elektrische Anlagen eingerichtet werden.
Ein weiterer Höhepunkt war ein Heißballonglühen.
Die riesigen benötigten Parkflächen stellte ein
Landwirtschaftsbetrieb kostenlos zur Verfügung, immerhin
12.000 Zuschauer. Die WM sei ein voller Erfolg gewesen und
erhielt in der Region große Unterstützung.
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Die Pokale von Torsten Wolff, aufgestellt in seinem
Werkstattbüro. |
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Die neue Rennstrecke in der Bergbaufolgelandschaft
geht auf eine Initiative des damaligen Bürgermeisters
Richard Richter von Fürstlich Drehna in den neunziger
Jahren zurück, der dem Motorsport sehr verbunden ist.
Es hatte sich herausgestellt, dass nach den neuen Umgangsformen
und Regeln der Nachwendezeit die Strecke am Mühlberg
wegen der Lärmbelästigung nur noch für Meisterschaften,
nicht mehr für das Training genutzt werden konnte. Daraufhin
setzte sich Richter beizeiten mit der LMBV in Verbindung und
meldete einen Bedarf an. Damals liefen die Planungen für
die Nachnutzung gerade erst an, "da musste man am Ball
sein." Die Verhandlungen waren schließlich von
Erfolg gekrönt, wenn die LMBV auch einen ursprünglich
für den MC vorbereiteten Platz doch nicht freigab und
einen neuen auswies. Der MC kaufte eine Fläche von 13,5
ha, die von der LMBV durch einige Maßnahmen vorbereitet
worden war: "Ich hab damals auch eine Zeichnung von der
Strecke gemacht, wie ich mir das vorstelle", erinnert
sich Wolff. Ein Dresdener Planungsbüro übernahm
die genaue Flächenplanung.
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Die neue Rennstrecke in der Bergbaufolgelandschaft
bei Fürstlich Drehna. |
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Torsten Wolff, zweiter Vorsitzender des MC und jahrelang
aktiver Rennsportler. |
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Das unmittelbare Rennkarree ist von einem teilweise unterbrochenen
Wall umgeben, der auf Wunsch des Klubs angelegt worden ist.
Er dient einerseits der Abschirmung (Lärm) und zugleich
kann er als Zuschauertribüne entwickelt werden. Für
diesen wurden die Erdmassen genutzt, die die LMBV 2000 aus
dem entstehenden Drehnaer See entnommen hatte, um dort das
Uferrelief zu gestalten. Dadurch bekommt die Strecke einen
Stadioncharakter. Vor diesem Bereich ist ein Parkplatz angelegt
worden, der wiederum durch einen aufgeschütteten Hügel
abgeriegelt wird. Zudem sind Linden gepflanzt worden.
Das Relief innerhalb des Walls hat Wolff selbst bereitet.
Zu diesem Zweck hat er eigens Baumaschinen angeschafft. Die
nötigen Erdmassen hat die LMBV geliefert.
Der Boden innerhalb der Strecke ist ein Asche-Sand-Gemisch,
das aufgeschüttet wurde. Damit hat der Verein große
Probleme: bei Nässe wird der Boden, der wegen der Kohleanteile
eigentlich aussieht wie Mutterboden, sehr schlammig, bei Trockenheit
aber hart, brüchig und extrem staubig. Eine Nutzung sei
deshalb eigentlich nur im Frühjahr, Herbst und Winter
möglich. Nach und nach lässt sich der MC anfallenden
Recyclingboden von einem regionalen Unternehmen bringen, ein
Teelöffelverfahren angesichts der großen Fläche.
Zu den Trainingsstunden in der neuen Strecke kommen bei Weitem
nicht nur die eigenen Vereinsmitglieder sondern Motocrossfahrer
aus ganz Brandenburg und Sachsen, z.T. von noch weiter her.
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Das Relief innerhalb des Rennparcours hat Wolff selbst
gestaltet, der umlaufende Wall und die Parkplatzgestaltung
übernahm die LMBV. |
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Ausblick
Der MC Fürstlich Drehna ist ein Exot unter den Nachnutzern
der Bergbaufolgelandschaft, aber einer, an dem man einiges
lernen kann: das Selbstorganisationsniveau der Gruppe ist
extrem hoch, die Leidenschaft für den Sport ist das tragende
Element. Dadurch tritt der Verein auch intuitiv erfolgreich
in der Region auf und genießt auch bei jenen Akzeptanz
und Respekt, die eigentlich andere Nutzungen für die
Flächen vorsehen. Er ist ein bislang seltenes Beispiel
für eine gelungene Aneignung der Bergbaufolgelandschaft
"von unten", d.h. zwar mit Unterstützung der
LMBV, aber auf eigene Initiative hin und mit einem klar begrenzten
(und begrenzbaren) Nutzungsinteresse, das weniger an eine
umfassende Infrastruktur gebunden ist, als z.B. die Erholungsnutzung
des Schlabendorfer Sees.
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