Landschaftswerkstatt

Pioniere in der Bergbaufolgelandschaft: Die Schäferei Müller aus Görlsdorf

Schaf  

Die Schäferei Müller wird von Mutter und Sohn betrieben. 1979 kamen sie aus dem Anhaltinischen nach Görlsdorf, seit 1991 führen sie die vormals zu einem VEG gehörige Schäferei privat. Die Herde, ursprünglich aus 300 Merinos bestehend, umfasst nun ca. 750 Mutterschafe des deutschen schwarzköpfigen Fleischschafes. Hinzu kommen 100 Mutterschafe Skudden.
Die Flächen, die die Schäferei bewirtschaftet, liegen zu einem sehr großen Teil in der Bergbaufolgelandschaft Schlabendorfer Felder: bis 2004 sind es 307 von 407 ha, in Zukunft wird der gesicherte Grünlandanteil auf gewachsenem Land sogar noch von 100 ha auf 15 ha sinken. Grund dafür ist die EU-Agrarreform, nach der die Landwirte durch eine Grünlandbewirtschaftung zukünftig unmittelbare Subventionseinkünfte erzielen können, weshalb sie die Nutzungsverträge mit den Schäfern aufkündigen. Was bleibt, sind sporadische Nutzungsabsprachen, etwa auf Stilllegungsflächen oder abgeernteten Feldern. Die Abhängigkeit von den Bergbaufolgeflächen nimmt aber auf jeden Fall zu. Damit zählen die Müllers zu den echten Pionierbesiedlern der Bergbaufolgelandschaft Schlabendorfer Felder, da sie ihre wirtschaftliche Existenz zu großen Teilen in diesem neu gewonnen Land sichern müssen. "Seit zehn Jahren sind wir hier zu Hause." Die Nutzung dieser Flächen ist jedoch mit besonderen Schwierigkeiten verbunden:

Kartenausschnitt  
  • Zunächst ist dies durch den nach wie vor instabilen Wasser- und Grundwasserhaushalt der Bergbaufolgelandschaft bedingt. Die grundwasserfernen Standorte bringen nur in regenreichen Jahren nennenswerte Aufwuchsmassen hervor - ein Jahr wie 2003 ist dagegen Dürrezeit. Die Flächen sind laut Nutzungsvertrag als Heideflächen ausgewiesen, weitgehend sind es aber reine Trockenrasen, "ab und zu ist mal ein Strünkchen Luzerne dazwischen." Alle zwei Tage muss Wasser gefahren werden.
  • Andere, feuchtere Standorte gehen dagegen verloren, da sie zunehmend geflutet werden. Müllers haben auch Fotos von der Beweidung von Flächen gemacht, die inzwischen Seegrund sind.
  • Die Beweidung der Bergbaufolgeflächen erfolgt dementsprechend je nach Nahrungsangebot von Jahr zu Jahr sehr verschieden, es gibt keinen klar strukturierten Zeittakt. "Man muss stehen, bis die Schafe satt sind." Der Beweidungsrhythmus muss dabei ruhig sein: "Die Schafe sind keine Pfennigsucher, sie müssen mit der Vegetation gehen, abrupte Wechsel vertragen sie nicht."
  • Neben den vertraglich genutzten Flächen ist die zusätzliche Beweidung von (nicht gepachteten) Randflächen bis nach Calau von eminenter Bedeutung für die Schäferei. Darüber treffen Müllers Absprachen mit der LMBV. "Wir brauchen jedes Gramm Futter."
  • Neben dem Wasserhaushalt führt die mineralische Sondersituation der Bergbaufolgeböden zu Problemen, z.B. muss der Selenmangel muss im Futter ausgeglichen werden. Wie auch bei anderen Schäfereien üblich, müssen die Tiere regelmäßig entwurmt werden.

Sämtliche Bergbaufolgeflächen, die von den Müllers bewirtschaftet werden, liegen im Naturpark Niederlausitzer Landrücken und sind Eigentum der Heinz-Sielmann-Stiftung. Die Naturschützer haben ein großes Interesse an der Offenhaltung, finanzielle Leistungen durch den Vertragsnaturschutz sind aber nur bei sehr kleinen Teilflächen zu erzielen. Im Wesentlichen basiert die Zusammenarbeit also auf gegenseitigem Interesse. "Das funktioniert auch so, wie sich die Naturparkverwaltung das vorstellt, die Flächen bleiben offen." Auf Initiative der Naturparkverwaltung nahm man 2004 auch die bereits erwähnten 100 Skudden in den Bestand, eine deutlich "wildere" und an extreme Bedingungen gewöhnte Rasse, die sich nur schwer integrieren ließ. Am Anfang sei man wegen des widerspenstigen Herdenverhaltens beinahe verzweifelt, aber inzwischen hätten sich die Tiere ganz gut adaptiert.
Müllers haben ein eigenes Schlachthaus und schlachten die Tiere selbst. Selten gelingt es, auf dem Fleischmarkt gute Preise zu erzielen. Die ökonomischen Rahmenbedingungen für die Schafwirtschaft sind ohnehin ungünstig, in Anbetracht der armen Wirtschaftsflächen in der Bergbaufolgelandschaft stellt sich die wirtschaftliche Lage der Schäferei als prekär dar. Trotzdem hoffen die Müllers, sich mit ihrem Betrieb in der Region halten zu können. Voraussetzung dafür ist sowohl eine positive Entwicklung des Fleischmarktes als auch die Nutzungsmöglichkeit eines vorteilhaften und den Ernährungsbedürfnissen der Tiere entsprechenden Grünlandspektrums. Derzeit schätzen sie ein: "Wir leben von der Substanz".

Bergbaufolgeflächen  

Die Bergbaufolgeflächen, die von der Schäferei Müller genutzt werden, gehören der Heinz-Sielmann-Stiftung und sind wichtige Elemente des Naturparks Niederlausitzer Landrücken. Es sind "arme" Trockenrasen, von denen eine Schafherde allein nicht ernährt werden kann. Durch die Beweidung von Randbereichen und Grünland auf gewachsenem Land wird das Nahrungsangebot ergänzt.
Die Landschaft gewinnt unterdessen ein immer vielfältigeres Erscheinungsbild. In der Senke entsteht der Schlabendorfer See, im Hintergrund erhebt sich das gewachsene Hügelland. Am Horizont sieht man die ehemalige Cargo-Lifter-Halle in Brand.

   
Markus Müller mit seiner Mutter in Wanninchen  

Markus Müller mit seiner Mutter in Wanninchen, dem Naturparkzentrum der Heinz-Sielmann-Stiftung. Hier sind manchmal auch die Schafe im Pferch zu sehen, außerdem hat man einen alten Rastwagen ausgestellt, wie er früher von den Schäfern auf der Weide genutzt wurde. Für den Naturpark ist es von großem Wert, eine entsprechende Bewirtschaftung auf seinen Flächen zu haben.

   
 

Die Schafherde auf einer an die Bergbaufolgelandschaft angrenzenden Stilllegungsfläche. Angefangen hat man mit Merinos, heute stützt man sich auf das deutsche schwarzköpfige Fleischschaf, das für eine ganzjährige Freilandhaltung allein wegen seiner Fellstruktur gut geeignet ist. Zudem wurden 100 Skudden in die Herde aufgenommen.

   
Skudden in Wanninchen  

Skudden in Wanninchen

 

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